Lagerumschlagshäufigkeit berechnen und verbessern: Formel, Beispiel und Hebel

Die Lagerumschlagshäufigkeit steht in vielen Monatsberichten als eine einzige Zahl. Für die Disposition hilft diese Zahl wenig, weil sie offenlässt, welche Artikel den Wert nach unten ziehen und warum.

Table of contents

Dieser Ratgeber erklärt Berechnung und Deutung der Kennzahl. Und er stellt sieben Hebel vor, mit denen Sie den Umschlag erhöhen, ohne die Lieferfähigkeit zu gefährden.

Kurz erklärt

Die Lagerumschlagshäufigkeit (auch Umschlagskoeffizient) ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl. Sie setzt den Verbrauch oder Absatz einer Periode, meist eines Jahres, ins Verhältnis zum durchschnittlichen Lagerbestand. Je höher der Wert, desto weniger Kapital ist im Verhältnis zum Verbrauch im Lager gebunden.

Lagerumschlagshäufigkeit =Wareneinsatzø Lagerbestand
ø Lagerdauer in Tagen =360 (oder 365)Lagerumschlagshäufigkeit

Wareneinsatz und Lagerbestand jeweils zu Einstandspreisen bewertet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein hoher Wert bedeutet wenig gebundenes Kapital, birgt aber das Risiko von Fehlmengen. Ein niedriger Wert deutet auf Überbestände oder Langsamdreher hin.
  • Für die wertmäßige Berechnung teilen Sie den bewerteten Lagerabgang (bei Handelsware den Wareneinsatz) durch den durchschnittlichen Lagerbestand, beide auf derselben Bewertungsgrundlage.
  • Der Umsatz gehört nicht in den Zähler, weil er zu Verkaufspreisen bewertet ist und die Kennzahl bei positiver Marge überschätzt.
  • Einen allgemeingültigen Zielwert gibt es nicht. Aussagekräftig wird die Kennzahl im Vergleich mit der eigenen Historie und getrennt nach Artikelklassen.

1. Was ist die Lagerumschlagshäufigkeit?

Die Lagerumschlagshäufigkeit ist eine Lagerkennzahl. Sie gibt an, wie oft ein Artikel oder das gesamte Lager in einer Periode umgesetzt wird, meist bezogen auf ein Geschäftsjahr. Ein Wert von 6 bedeutet, dass der Jahresverbrauch dem Sechsfachen des durchschnittlichen Lagerbestands entspricht.

Gebräuchliche Bezeichnungen sind auch Lagerumschlag, Umschlagshäufigkeit, Umschlagsgeschwindigkeit und Umschlagskoeffizient, im Englischen inventory turnover. Die Kennzahl lässt sich für jede Lagerart berechnen, für Rohstoffe, Hilfs- und Betriebsstoffe, Halbfertig- und Fertigerzeugnisse ebenso wie für Handelsware.

Lagerbestände binden Kapital und verursachen Kosten für Raum, Zinsen, Versicherung, Verwaltung und Schwund. Deshalb gilt die Umschlagshäufigkeit als wichtige Kennzahl im Bestandsmanagement.

2. Lagerumschlagshäufigkeit: Formel und Berechnung

Für die Berechnung brauchen Sie zwei Größen, den verbrauchs- oder absatzbedingten Lagerabgang einer Periode und den durchschnittlichen Lagerbestand derselben Periode. Je nachdem, ob Sie in Euro oder in Stück rechnen, gibt es zwei Varianten.

Wertmäßige Formel

Formel

Lagerumschlagshäufigkeit =bewerteter Lagerabgang der Periodeø Lagerbestand

Welcher Wert in den Zähler gehört, hängt von der Lagerart ab. Bei Handelsware ist es der Wareneinsatz, bei Rohstoffen der Materialverbrauch, jeweils zu Einstandspreisen bewertet. Halb- und Fertigerzeugnisse werden zu Herstellungskosten bewertet, und der Abgang muss dann auf derselben Kostenbasis stehen.

Zähler und Bestand brauchen in jedem Fall dieselbe Bewertungsgrundlage. In den Zähler gehören nur verbrauchs- oder absatzbedingte Abgänge. Umlagerungen, Rücksendungen an Lieferanten und Bestandskorrekturen grenzen Sie ab, sonst wird die Umschlagshäufigkeit überschätzt.

Diese Variante eignet sich für das gesamte Lager oder für Warengruppen, weil sich Artikel mit unterschiedlichen Mengeneinheiten nur über den Wert zusammenfassen lassen.

Mengenmäßige Formel

Formel

Lagerumschlagshäufigkeit =Lagerabgang in Stückø Lagerbestand in Stück

Die Mengenvariante rechnet mit Stückzahlen. Für einzelne Artikel ist sie die einfachere Sicht, weil keine Bewertung nötig ist.

Durchschnittlichen Lagerbestand ermitteln

Am einfachsten bilden Sie den Mittelwert aus Anfangs- und Endbestand. Bei stärkeren Bestandsschwankungen liefern monatliche Werte ein genaueres Ergebnis.

Einfache Näherung

ø Lagerbestand =Anfangsbestand + Endbestand2

Genauer mit Monatswerten

ø Lagerbestand =Anfangsbestand + Summe der 12 Monatsendbestände13

Auch Monatsendwerte erfassen Schwankungen innerhalb eines Monats nicht. Die Rechnung aus 13 Stichtagen bleibt deshalb eine Näherung, weil Anfangs- und Endwert gleich stark zählen wie die Monatswerte dazwischen. Genauer wird sie, wenn Sie die Werte nach den Zeitabständen zwischen den Messpunkten gewichten.

Am genauesten ist ein Durchschnitt aus täglichen Beständen, sofern Ihr ERP diese Werte liefert. Eine rollierende Betrachtung über zwölf Monate deckt einen vollständigen saisonalen Zyklus ab und kann saisonale Verzerrungen beim Vergleich der Kennzahl verringern.

Warum Umsatz im Zähler den Wert verfälscht

Manche Berechnungen setzen den Umsatz in den Zähler. Der Umsatz ist aber zu Verkaufspreisen bewertet, der Bestand zu Einstands- oder Herstellungskosten. Bei positiver Handelsspanne wird die Umschlagshäufigkeit dadurch überschätzt.

Ein Händler (fiktive Werte) mit 2,4 Mio. € Wareneinsatz, 3,4 Mio. € Umsatz und 400.000 € Durchschnittsbestand käme mit dem Umsatz im Zähler auf 8,5. Mit dem Wareneinsatz sind es 6,0. Bewerten Sie Zähler und Bestand deshalb immer gleich.

3. Rechenbeispiel Schritt für Schritt

Ein Industrieunternehmen hat im Geschäftsjahr einen Materialverbrauch von 2.400.000 €. Der Bestand des Rohstofflagers lag zu Jahresbeginn bei 500.000 € und zum Jahresende bei 300.000 €.

Rechenbeispiel (fiktive Werte)

SchrittRechnungErgebnis
1. Durchschnittlichen Lagerbestand berechnen(500.000 € + 300.000 €) / 2400.000 €
2. Lagerumschlagshäufigkeit berechnen2.400.000 € / 400.000 €6,0
3. Durchschnittliche Lagerdauer berechnen360 / 6,060 Tage

Mit 365 Tagen gerechnet ergibt sich eine Lagerdauer von 60,8 Tagen.

Der Jahresverbrauch entspricht also dem Sechsfachen des durchschnittlichen Bestands. Die rechnerische durchschnittliche Lagerdauer beträgt 60 Tage.

Gleiches Lager, genauere Rechnung

Der Bestand schwankt im Jahresverlauf deutlich. Er steigt bis April auf 640.000 € und sinkt danach bis Dezember auf 300.000 €.

Bestandsverlauf im Rechenbeispiel

Monatsendbestände im RechenbeispielAnfangsbestand 500 und Monatsendbestände Januar bis Dezember: 520, 560, 610, 640, 600, 520, 450, 420, 380, 350, 320, 300 Tsd. Euro. Gestrichelte Linie bei 400 (Durchschnitt aus Anfangs- und Endbestand), durchgezogene Linie bei 474,6 (Durchschnitt aus 13 Stichtagen).0100200300400500600700StartJanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDezø Anfang/Ende = 400ø 13 Stichtage = 474,6Tsd. €
Volle Balken sind die beiden Stichtage, die der einfache Durchschnitt verwendet. Der hohe Bestand im Frühjahr fehlt in dieser Rechnung.

Mit dem Anfangsbestand und den zwölf Monatsendbeständen, alle gleich gewichtet, ergibt sich ein durchschnittlicher Bestand von 474.615 €. Gewichtet man die Stichtage zeitlich und nimmt zwischen den Monatsenden einen linearen Verlauf an, sind es 480.833 €.

Drei Methoden im Vergleich

Methodeø LagerbestandUmschlags­häufigkeitø Lagerdauer (360 Tage)
Anfangs- und Endbestand400.000 €6,0060,0 Tage
13 Stichtage, gleich gewichtet474.615 €5,0671,2 Tage
13 Stichtage, zeitgewichtet480.833 €4,9972,1 Tage

Alle drei Verfahren sind Näherungen. Den tatsächlichen Bestandsverlauf zeigen erst tägliche Werte.

Gegenüber den detaillierteren Näherungen überschätzt die einfache Rechnung die Umschlagshäufigkeit in diesem Beispiel um ungefähr einen Umschlag pro Jahr. Der Grund ist, dass die beiden Stichtagswerte den hohen Bestand im Frühjahr nicht erfassen.

4. Rechner für Lagerumschlagshäufigkeit und Lagerdauer

Mit dem Rechner ermitteln Sie Umschlagshäufigkeit und Lagerdauer für Ihr eigenes Lager. Geben Sie den Wareneinsatz oder bewerteten Lagerabgang sowie Anfangs- und Endbestand in Euro ein. Für eine genauere Rechnung ergänzen Sie optional die zwölf Monatsendbestände.

Rechner

Umschlagshäufigkeit und durchschnittliche Lagerdauer für Ihr Lager berechnen.

bzw. bewerteter Lagerabgang, z. B. aus der Bestandsbewertung
€
Wert zu Beginn der Periode
€
Wert am Ende der Periode
€
Länge der Periode Alle Werte müssen sich auf dieselbe Periode beziehen.
Genauer rechnen mit 12 Monatsendbeständen (optional)

Nur für ein Geschäftsjahr mit 360 oder 365 Tagen. Sind alle zwölf Felder gefüllt, wird mit Anfangsbestand plus zwölf Monatsendbeständen geteilt durch 13 gerechnet. Der Dezemberwert ersetzt dann den Endbestand.

Ø Lagerbestand–
Umschlags­häufigkeit–
Ø Lagerdauer–

Zahlen mit oder ohne Tausenderpunkt eingeben, Komma als Dezimaltrenner.

Der Rechner dient der Orientierung. Das Ergebnis hängt davon ab, wie Sie Wareneinsatz und Bestände bewerten. Ihre Eingaben werden nur in Ihrem Browser verarbeitet und nicht gespeichert oder übertragen.

5. Lagerdauer, DIO und Lagerreichweite

Formel

ø Lagerdauer in Tagen =Tage der PeriodeLagerumschlagshäufigkeit

Bei einer Jahresbetrachtung meist 360 oder 365 Tage.

Die durchschnittliche Lagerdauer drückt das Verhältnis von durchschnittlichem Lagerbestand zu periodischem Verbrauch in Tagen aus. Sie ist eine rechnerische Kennzahl und keine gemessene Lagerzeit. Die tatsächliche Verweildauer einzelner Artikel kann bei gemischten Sortimenten deutlich davon abweichen.

Bei einer Jahresbetrachtung rechnet ein Teil der Fachliteratur mit 360 Tagen, das Gabler Wirtschaftslexikon im Beispiel mit 365 Tagen. Bei Quartals- oder Monatswerten setzen Sie die Tage dieser Periode ein. Legen Sie eine Konvention fest und behalten Sie diese im Zeitvergleich bei.

In der Finanzanalyse heißt eine verwandte Kennzahl Days Inventory Outstanding (DIO). Sie setzt die durchschnittlichen Vorräte ins Verhältnis zu den Umsatzkosten (Cost of Goods Sold) und multipliziert das Ergebnis mit den Tagen der Periode. Bei identischer Bestandsabgrenzung, Bewertungsgrundlage und Tageszahl entspricht DIO rechnerisch der durchschnittlichen Lagerdauer.

Verwandt ist auch die Lagerreichweite, die oft mit der Lagerdauer gleichgesetzt wird. Die Lagerdauer beruht auf Verbrauch und Durchschnittsbestand einer abgelaufenen Periode. Die Lagerreichweite zeigt, wie lange der aktuelle Bestand ohne neue Zugänge den erwarteten Bedarf voraussichtlich deckt.

6. Was bedeutet eine hohe oder niedrige Lagerumschlagshäufigkeit?

Beide Richtungen haben Vor- und Nachteile. Ziel ist die wirtschaftlich sinnvolle Umschlagshäufigkeit bei angemessener Lieferfähigkeit.

Hoher Wert

Hohe Lagerumschlagshäufigkeit

  • Bei gleichem Verbrauch ist weniger Kapital im Lager gebunden.
  • Kosten für Zinsen, Raum, Versicherung und Schwund sinken.
  • Ein sehr hoher Wert kann auf zu knappe Bestände hinweisen, vor allem wenn gleichzeitig Fehlmengen und Eilbestellungen zunehmen.
  • Häufigere, kleinere Bestellungen erhöhen Bestell- und Transportkosten und können Mengenrabatte kosten.

Niedriger Wert

Niedrige Lagerumschlagshäufigkeit

  • Im Verhältnis zum Verbrauch liegt viel Bestand im Lager.
  • Mögliche Ursachen sind Überbestände, Langsamdreher und Ladenhüter oder eine sinkende Nachfrage.
  • Der Bestand bindet Kapital und verursacht Lagerkosten.
  • Bei kritischen Ersatzteilen mit langer Lieferzeit kann ein niedriger Umschlag gewollt sein, weil ein Ausfall teurer wäre als der Bestand.

7. Welche Lagerumschlagshäufigkeit ist gut? Richtwerte nach Branche

Einen allgemeingültigen Zielwert gibt es nicht. Welcher Wert passt, hängt von Branche, Sortiment, Wiederbeschaffungszeiten und dem angestrebten Servicegrad ab. Ein Händler mit frischer Ware dreht sein Lager in einem anderen Takt als ein Hersteller, der Ersatzteile mit langen Lieferzeiten vorhält.

Im Netz kursieren Tabellen mit Richtwerten je Branche. Prüfen Sie bei solchen Tabellen, ob Datenbasis und Berechnungsweg genannt sind, etwa ob mit Wareneinsatz oder Umsatz gerechnet wurde. Ohne diese Angaben lassen sich die Werte kaum mit der eigenen Kennzahl vergleichen.

Aussagekräftiger ist der Vergleich mit der eigenen Historie und mit Werten je Artikelklasse, etwa nach einer ABC-XYZ-Analyse. Für den Blick nach außen eignen sich Jahresabschlüsse von Wettbewerbern oder Kennzahlen von Branchenverbänden, jeweils nach derselben Berechnungsmethode.

Sinkt die Kennzahl über mehrere vergleichbare Perioden, steigt der durchschnittliche Bestand im Verhältnis zum Verbrauch. Vergleichen Sie dabei nur gleich lange Zeiträume und berücksichtigen Sie saisonale Effekte.

8. 7 Hebel, um die Lagerumschlagshäufigkeit zu erhöhen

Die folgenden Maßnahmen zielen vor allem darauf ab, den durchschnittlichen Lagerbestand bedarfsgerecht zu senken. Bei gleichem Verbrauch steigt dadurch die Lagerumschlagshäufigkeit. Einzelne Maßnahmen wirken zugleich auf Verbrauch und Lieferfähigkeit.

Die 7 Hebel auf einen Blick

  1. Hebel 1Langsamdreher identifizierenUmschlag je Artikel prüfen
  2. Hebel 2Sicherheitsbestand je ArtikelServicegrad je Klasse festlegen
  3. Hebel 3Bestellmengen prüfenLosgrößen und Mindestmengen
  4. Hebel 4Lieferzeiten verkürzenund im ERP korrekt pflegen
  5. Hebel 5Prognosen verbessernStreuung der Fehler senken
  6. Hebel 6Überbestände abbauenund früh erkennen
  7. Hebel 7Auf Artikelebene steuernGesamtwert nur berichten

In einem vereinfachten Bestellmengenmodell mit regelmäßigem Bedarf setzt sich der durchschnittliche Lagerbestand im Wesentlichen aus Sicherheitsbestand und durchschnittlichem Zyklusbestand zusammen.

Vereinfachtes Bestellmengenmodell

ø Lagerbestand ≈ Sicherheitsbestand +Bestellmenge Q2

Periodische Bestandsüberprüfung, chargenbezogene Lieferungen oder saisonale Bevorratung weichen von diesem Modell ab. Die Hebel 2 bis 5 setzen an Sicherheits- und Zyklusbestand an, die Hebel 1 und 6 an Beständen ohne passenden Bedarf. Hebel 7 beschreibt, wie Sie diese Maßnahmen steuern.

1. Langsamdreher und Ladenhüter identifizieren

Berechnen Sie die Umschlagshäufigkeit je Artikel und sortieren Sie die Liste aufsteigend. Prüfen Sie Artikel mit niedrigem Umschlag auf Nachfrage, strategische Bedeutung, Wiederbeschaffungszeit und Lagerkosten.

Ein kritisches Ersatzteil mit langer Lieferzeit darf langsam drehen. Bei Artikeln, die nicht mehr gebraucht werden oder sich nicht rechnen, ist eine Bereinigung des Sortiments sinnvoll. Im Handel heißen solche Auswertungen Renner- und Penner-Listen.

2. Servicegrad je Artikelklasse, Sicherheitsbestand je Artikel festlegen

Sicherheitsbestand ist gebundenes Kapital und sollte deshalb begrenzt und regelmäßig überprüft werden. Ein einheitlicher Puffer für alle Artikel berücksichtigt nicht, wie stark Bedarf und Lieferzeit je Artikel schwanken.

Legen Sie Servicegradziele und Bestandsstrategien je Artikelklasse fest. Den Sicherheitsbestand berechnen Sie dann je Artikel aus dessen Nachfrage- und Lieferzeitunsicherheit, weil zwei Artikel derselben Klasse sehr unterschiedlich schwanken können. Zu knappe Puffer erhöhen das Risiko von Fehlmengen.

3. Bestellmengen und Losgrößen prüfen

Im klassischen Bestellmengenmodell geht die gesamte Bestellmenge auf einmal ein und wird danach gleichmäßig verbraucht. Dann liegt im Mittel die halbe Bestellmenge im Lager.

Große Bestellmengen senken die Zahl der Bestellungen und bringen oft bessere Preise, erhöhen aber den durchschnittlichen Bestand. Prüfen Sie, ob Mindestbestellmengen und Staffelpreise die zusätzliche Kapitalbindung rechtfertigen.

4. Wiederbeschaffungszeiten verkürzen und realistisch pflegen

Lange und schwankende Wiederbeschaffungszeiten erschweren die Bestandsplanung und können höhere Sicherheitsbestände erfordern. Kürzere und zuverlässigere Lieferzeiten, etwa durch Absprachen mit Lieferanten, können die nötige Absicherung verringern und damit den durchschnittlichen Lagerbestand senken.

Genauso wichtig sind korrekte Stammdaten. Weicht die im ERP hinterlegte Lieferzeit von der tatsächlichen ab, entstehen Fehlbestände oder unnötige Puffer.

5. Prognosegenauigkeit verbessern

Präzisere Bedarfsprognosen können die Unsicherheit über die künftige Nachfrage verringern. Sinkt dadurch die Streuung der Prognosefehler über die Wiederbeschaffungszeit, lässt sich der Sicherheitsbestand bei gleichem Servicegrad häufig senken.

Eine bessere durchschnittliche Genauigkeit allein, etwa gemessen am MAPE, reicht dafür nicht aus. Ansatzpunkte zeigt der Beitrag Prognosegenauigkeit verbessern.

6. Überbestände gezielt abbauen

Überbestände aus Fehlplanungen, Sonderkäufen oder auslaufenden Artikeln drücken die Kennzahl über Monate. Abverkauf, Umlagerung an Standorte mit Bedarf oder Rückgabe an den Lieferanten senken den Bestand.

Legen Sie zugleich fest, wie neue Überbestände früh auffallen. Strategien dazu finden Sie unter Überbestände abbauen.

7. Den Umschlag auf Artikelebene steuern

Die Gesamtkennzahl eignet sich für den Bericht an Geschäftsführung und Controlling. Steuern lässt sich der Umschlag auf Artikelebene, weil dort über Bestellmenge, Bestellzeitpunkt und Sicherheitsbestand entschieden wird. Bei mehreren tausend Artikeln kostet diese Steuerung viel Zeit.

Replenishment Decision Intelligence von pacemaker.ai berechnet Bestellvorschläge auf Artikelebene jeden Tag neu und weist über ausnahmebasierte Alerts auf die Artikel hin, die Aufmerksamkeit brauchen. Die Entscheidung über jede Bestellung bleibt bei Ihrem Team. Wie Sie Bestände systematisch optimieren, zeigt unsere Seite zur Bestandsoptimierung.

9. Fehler bei der Berechnung

Checkliste

  • Umsatz zu Verkaufspreisen im Zähler, Bestand zu Einstands- oder Herstellungskosten im Nenner.
  • Anfangs- und Endbestand als Durchschnitt, obwohl der Bestand im Jahr stark schwankt.
  • Nur die Gesamtkennzahl betrachten und Artikelklassen nicht trennen.
  • 360 und 365 Tage im Zeitvergleich mischen.
  • Alle Abgangsbuchungen aus dem ERP ungeprüft in den Zähler übernehmen, auch Umlagerungen und Bestandskorrekturen.
  • Bestände und Abgänge uneinheitlich abgrenzen. Zähler und Nenner brauchen denselben Lagerumfang und dieselbe Bewertungsgrundlage. Für die finanzielle Kennzahl zählen die bewerteten Vorräte, also auch gesperrte, reservierte und obsolete Bestände, soweit sie in der Bestandsbewertung enthalten sind.

10. Häufige Fragen zur Lagerumschlagshäufigkeit

Wie berechnet man die Lagerumschlagshäufigkeit?

Teilen Sie den bewerteten Lagerabgang einer Periode durch den durchschnittlichen Lagerbestand derselben Periode, beide auf derselben Bewertungsgrundlage. Bei Handelsware ist das der Wareneinsatz zu Einstandspreisen, bei Fertigerzeugnissen der Abgang zu Herstellungskosten. Für einzelne Artikel können Sie auch mit Stückzahlen rechnen, also mit dem Lagerabgang und dem durchschnittlichen Bestand in Stück.

Wie hoch ist eine gute Lagerumschlagshäufigkeit?

Einen allgemeingültigen Zielwert gibt es nicht, weil Branche, Sortiment, Lieferzeiten und Servicegrad den passenden Wert bestimmen. Vergleichen Sie die Kennzahl mit Ihrer eigenen Historie und getrennt nach Artikelklassen.

Wie berechnet man die durchschnittliche Lagerdauer?

Sie teilen die Tage der Periode durch die Lagerumschlagshäufigkeit, bei einem Jahr meist 360 oder 365. Bei einer Umschlagshäufigkeit von 6 beträgt die rechnerische Lagerdauer 60 Tage, mit 365 Tagen gerechnet 60,8 Tage.

Was ist der Unterschied zwischen Lagerumschlagshäufigkeit und Lagerdauer?

Die Umschlagshäufigkeit setzt den Verbrauch einer Periode ins Verhältnis zum durchschnittlichen Bestand. Die Lagerdauer rechnet dieselbe Information in Tage um. Steigt die eine Kennzahl, sinkt die andere.

Was bedeutet eine hohe oder niedrige Lagerumschlagshäufigkeit?

Ein hoher Wert bedeutet, dass im Verhältnis zum Verbrauch wenig Kapital im Lager gebunden ist. Ein niedriger Wert deutet auf Überbestände oder Langsamdreher hin, kann bei kritischen Ersatzteilen aber gewollt sein. Ist der Wert sehr hoch und treten gleichzeitig Fehlmengen auf, ist der Bestand womöglich zu knapp.

Wie kann man die Lagerumschlagshäufigkeit erhöhen?

Sie senken den durchschnittlichen Lagerbestand bei gleichem Verbrauch, etwa über passende Sicherheitsbestände, kleinere Bestellmengen, kürzere und zuverlässigere Wiederbeschaffungszeiten und präzisere Prognosen. Prüfen Sie bei jedem Hebel, wie er sich auf die Lieferfähigkeit auswirkt.

11. Bestände auf Artikelebene steuern

Sehen Sie in einer 30-Minuten-Demo, wie pacemaker.ai Bestellvorschläge je Artikel berechnet und Ausnahmen sichtbar macht.

30-Minuten-Demo buchen

12. Quellen

Hinweis zur Entstehung: Bei der Recherche und Erstellung dieses Beitrags haben wir KI-gestützte Werkzeuge eingesetzt. Die Inhalte wurden redaktionell geprüft und mit den angegebenen Quellen abgeglichen. Fehler lassen sich trotzdem nicht vollständig ausschließen. Der Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung im Einzelfall. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte übernehmen wir keine Gewähr. Eine Haftung für Schäden, die aus der Nutzung der Informationen entstehen, ist ausgeschlossen, soweit dies gesetzlich zulässig ist.

If you are interested in AI-supported supply chain solutions, book a free initial consultation: Make an appointment now!

Dieser Ratgeber erklärt Berechnung und Deutung der Kennzahl. Und er stellt sieben Hebel vor, mit denen Sie den Umschlag erhöhen, ohne die Lieferfähigkeit zu gefährden.

Kurz erklärt

Die Lagerumschlagshäufigkeit (auch Umschlagskoeffizient) ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl. Sie setzt den Verbrauch oder Absatz einer Periode, meist eines Jahres, ins Verhältnis zum durchschnittlichen Lagerbestand. Je höher der Wert, desto weniger Kapital ist im Verhältnis zum Verbrauch im Lager gebunden.

Lagerumschlagshäufigkeit =Wareneinsatzø Lagerbestand
ø Lagerdauer in Tagen =360 (oder 365)Lagerumschlagshäufigkeit

Wareneinsatz und Lagerbestand jeweils zu Einstandspreisen bewertet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein hoher Wert bedeutet wenig gebundenes Kapital, birgt aber das Risiko von Fehlmengen. Ein niedriger Wert deutet auf Überbestände oder Langsamdreher hin.
  • Für die wertmäßige Berechnung teilen Sie den bewerteten Lagerabgang (bei Handelsware den Wareneinsatz) durch den durchschnittlichen Lagerbestand, beide auf derselben Bewertungsgrundlage.
  • Der Umsatz gehört nicht in den Zähler, weil er zu Verkaufspreisen bewertet ist und die Kennzahl bei positiver Marge überschätzt.
  • Einen allgemeingültigen Zielwert gibt es nicht. Aussagekräftig wird die Kennzahl im Vergleich mit der eigenen Historie und getrennt nach Artikelklassen.

1. Was ist die Lagerumschlagshäufigkeit?

Die Lagerumschlagshäufigkeit ist eine Lagerkennzahl. Sie gibt an, wie oft ein Artikel oder das gesamte Lager in einer Periode umgesetzt wird, meist bezogen auf ein Geschäftsjahr. Ein Wert von 6 bedeutet, dass der Jahresverbrauch dem Sechsfachen des durchschnittlichen Lagerbestands entspricht.

Gebräuchliche Bezeichnungen sind auch Lagerumschlag, Umschlagshäufigkeit, Umschlagsgeschwindigkeit und Umschlagskoeffizient, im Englischen inventory turnover. Die Kennzahl lässt sich für jede Lagerart berechnen, für Rohstoffe, Hilfs- und Betriebsstoffe, Halbfertig- und Fertigerzeugnisse ebenso wie für Handelsware.

Lagerbestände binden Kapital und verursachen Kosten für Raum, Zinsen, Versicherung, Verwaltung und Schwund. Deshalb gilt die Umschlagshäufigkeit als wichtige Kennzahl im Bestandsmanagement.

2. Lagerumschlagshäufigkeit: Formel und Berechnung

Für die Berechnung brauchen Sie zwei Größen, den verbrauchs- oder absatzbedingten Lagerabgang einer Periode und den durchschnittlichen Lagerbestand derselben Periode. Je nachdem, ob Sie in Euro oder in Stück rechnen, gibt es zwei Varianten.

Wertmäßige Formel

Formel

Lagerumschlagshäufigkeit =bewerteter Lagerabgang der Periodeø Lagerbestand

Welcher Wert in den Zähler gehört, hängt von der Lagerart ab. Bei Handelsware ist es der Wareneinsatz, bei Rohstoffen der Materialverbrauch, jeweils zu Einstandspreisen bewertet. Halb- und Fertigerzeugnisse werden zu Herstellungskosten bewertet, und der Abgang muss dann auf derselben Kostenbasis stehen.

Zähler und Bestand brauchen in jedem Fall dieselbe Bewertungsgrundlage. In den Zähler gehören nur verbrauchs- oder absatzbedingte Abgänge. Umlagerungen, Rücksendungen an Lieferanten und Bestandskorrekturen grenzen Sie ab, sonst wird die Umschlagshäufigkeit überschätzt.

Diese Variante eignet sich für das gesamte Lager oder für Warengruppen, weil sich Artikel mit unterschiedlichen Mengeneinheiten nur über den Wert zusammenfassen lassen.

Mengenmäßige Formel

Formel

Lagerumschlagshäufigkeit =Lagerabgang in Stückø Lagerbestand in Stück

Die Mengenvariante rechnet mit Stückzahlen. Für einzelne Artikel ist sie die einfachere Sicht, weil keine Bewertung nötig ist.

Durchschnittlichen Lagerbestand ermitteln

Am einfachsten bilden Sie den Mittelwert aus Anfangs- und Endbestand. Bei stärkeren Bestandsschwankungen liefern monatliche Werte ein genaueres Ergebnis.

Einfache Näherung

ø Lagerbestand =Anfangsbestand + Endbestand2

Genauer mit Monatswerten

ø Lagerbestand =Anfangsbestand + Summe der 12 Monatsendbestände13

Auch Monatsendwerte erfassen Schwankungen innerhalb eines Monats nicht. Die Rechnung aus 13 Stichtagen bleibt deshalb eine Näherung, weil Anfangs- und Endwert gleich stark zählen wie die Monatswerte dazwischen. Genauer wird sie, wenn Sie die Werte nach den Zeitabständen zwischen den Messpunkten gewichten.

Am genauesten ist ein Durchschnitt aus täglichen Beständen, sofern Ihr ERP diese Werte liefert. Eine rollierende Betrachtung über zwölf Monate deckt einen vollständigen saisonalen Zyklus ab und kann saisonale Verzerrungen beim Vergleich der Kennzahl verringern.

Warum Umsatz im Zähler den Wert verfälscht

Manche Berechnungen setzen den Umsatz in den Zähler. Der Umsatz ist aber zu Verkaufspreisen bewertet, der Bestand zu Einstands- oder Herstellungskosten. Bei positiver Handelsspanne wird die Umschlagshäufigkeit dadurch überschätzt.

Ein Händler (fiktive Werte) mit 2,4 Mio. € Wareneinsatz, 3,4 Mio. € Umsatz und 400.000 € Durchschnittsbestand käme mit dem Umsatz im Zähler auf 8,5. Mit dem Wareneinsatz sind es 6,0. Bewerten Sie Zähler und Bestand deshalb immer gleich.

3. Rechenbeispiel Schritt für Schritt

Ein Industrieunternehmen hat im Geschäftsjahr einen Materialverbrauch von 2.400.000 €. Der Bestand des Rohstofflagers lag zu Jahresbeginn bei 500.000 € und zum Jahresende bei 300.000 €.

Rechenbeispiel (fiktive Werte)

SchrittRechnungErgebnis
1. Durchschnittlichen Lagerbestand berechnen(500.000 € + 300.000 €) / 2400.000 €
2. Lagerumschlagshäufigkeit berechnen2.400.000 € / 400.000 €6,0
3. Durchschnittliche Lagerdauer berechnen360 / 6,060 Tage

Mit 365 Tagen gerechnet ergibt sich eine Lagerdauer von 60,8 Tagen.

Der Jahresverbrauch entspricht also dem Sechsfachen des durchschnittlichen Bestands. Die rechnerische durchschnittliche Lagerdauer beträgt 60 Tage.

Gleiches Lager, genauere Rechnung

Der Bestand schwankt im Jahresverlauf deutlich. Er steigt bis April auf 640.000 € und sinkt danach bis Dezember auf 300.000 €.

Bestandsverlauf im Rechenbeispiel

Monatsendbestände im RechenbeispielAnfangsbestand 500 und Monatsendbestände Januar bis Dezember: 520, 560, 610, 640, 600, 520, 450, 420, 380, 350, 320, 300 Tsd. Euro. Gestrichelte Linie bei 400 (Durchschnitt aus Anfangs- und Endbestand), durchgezogene Linie bei 474,6 (Durchschnitt aus 13 Stichtagen).0100200300400500600700StartJanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDezø Anfang/Ende = 400ø 13 Stichtage = 474,6Tsd. €
Volle Balken sind die beiden Stichtage, die der einfache Durchschnitt verwendet. Der hohe Bestand im Frühjahr fehlt in dieser Rechnung.

Mit dem Anfangsbestand und den zwölf Monatsendbeständen, alle gleich gewichtet, ergibt sich ein durchschnittlicher Bestand von 474.615 €. Gewichtet man die Stichtage zeitlich und nimmt zwischen den Monatsenden einen linearen Verlauf an, sind es 480.833 €.

Drei Methoden im Vergleich

Methodeø LagerbestandUmschlags­häufigkeitø Lagerdauer (360 Tage)
Anfangs- und Endbestand400.000 €6,0060,0 Tage
13 Stichtage, gleich gewichtet474.615 €5,0671,2 Tage
13 Stichtage, zeitgewichtet480.833 €4,9972,1 Tage

Alle drei Verfahren sind Näherungen. Den tatsächlichen Bestandsverlauf zeigen erst tägliche Werte.

Gegenüber den detaillierteren Näherungen überschätzt die einfache Rechnung die Umschlagshäufigkeit in diesem Beispiel um ungefähr einen Umschlag pro Jahr. Der Grund ist, dass die beiden Stichtagswerte den hohen Bestand im Frühjahr nicht erfassen.

4. Rechner für Lagerumschlagshäufigkeit und Lagerdauer

Mit dem Rechner ermitteln Sie Umschlagshäufigkeit und Lagerdauer für Ihr eigenes Lager. Geben Sie den Wareneinsatz oder bewerteten Lagerabgang sowie Anfangs- und Endbestand in Euro ein. Für eine genauere Rechnung ergänzen Sie optional die zwölf Monatsendbestände.

Rechner

Umschlagshäufigkeit und durchschnittliche Lagerdauer für Ihr Lager berechnen.

bzw. bewerteter Lagerabgang, z. B. aus der Bestandsbewertung
€
Wert zu Beginn der Periode
€
Wert am Ende der Periode
€
Länge der Periode Alle Werte müssen sich auf dieselbe Periode beziehen.
Genauer rechnen mit 12 Monatsendbeständen (optional)

Nur für ein Geschäftsjahr mit 360 oder 365 Tagen. Sind alle zwölf Felder gefüllt, wird mit Anfangsbestand plus zwölf Monatsendbeständen geteilt durch 13 gerechnet. Der Dezemberwert ersetzt dann den Endbestand.

Ø Lagerbestand–
Umschlags­häufigkeit–
Ø Lagerdauer–

Zahlen mit oder ohne Tausenderpunkt eingeben, Komma als Dezimaltrenner.

Der Rechner dient der Orientierung. Das Ergebnis hängt davon ab, wie Sie Wareneinsatz und Bestände bewerten. Ihre Eingaben werden nur in Ihrem Browser verarbeitet und nicht gespeichert oder übertragen.

5. Lagerdauer, DIO und Lagerreichweite

Formel

ø Lagerdauer in Tagen =Tage der PeriodeLagerumschlagshäufigkeit

Bei einer Jahresbetrachtung meist 360 oder 365 Tage.

Die durchschnittliche Lagerdauer drückt das Verhältnis von durchschnittlichem Lagerbestand zu periodischem Verbrauch in Tagen aus. Sie ist eine rechnerische Kennzahl und keine gemessene Lagerzeit. Die tatsächliche Verweildauer einzelner Artikel kann bei gemischten Sortimenten deutlich davon abweichen.

Bei einer Jahresbetrachtung rechnet ein Teil der Fachliteratur mit 360 Tagen, das Gabler Wirtschaftslexikon im Beispiel mit 365 Tagen. Bei Quartals- oder Monatswerten setzen Sie die Tage dieser Periode ein. Legen Sie eine Konvention fest und behalten Sie diese im Zeitvergleich bei.

In der Finanzanalyse heißt eine verwandte Kennzahl Days Inventory Outstanding (DIO). Sie setzt die durchschnittlichen Vorräte ins Verhältnis zu den Umsatzkosten (Cost of Goods Sold) und multipliziert das Ergebnis mit den Tagen der Periode. Bei identischer Bestandsabgrenzung, Bewertungsgrundlage und Tageszahl entspricht DIO rechnerisch der durchschnittlichen Lagerdauer.

Verwandt ist auch die Lagerreichweite, die oft mit der Lagerdauer gleichgesetzt wird. Die Lagerdauer beruht auf Verbrauch und Durchschnittsbestand einer abgelaufenen Periode. Die Lagerreichweite zeigt, wie lange der aktuelle Bestand ohne neue Zugänge den erwarteten Bedarf voraussichtlich deckt.

6. Was bedeutet eine hohe oder niedrige Lagerumschlagshäufigkeit?

Beide Richtungen haben Vor- und Nachteile. Ziel ist die wirtschaftlich sinnvolle Umschlagshäufigkeit bei angemessener Lieferfähigkeit.

Hoher Wert

Hohe Lagerumschlagshäufigkeit

  • Bei gleichem Verbrauch ist weniger Kapital im Lager gebunden.
  • Kosten für Zinsen, Raum, Versicherung und Schwund sinken.
  • Ein sehr hoher Wert kann auf zu knappe Bestände hinweisen, vor allem wenn gleichzeitig Fehlmengen und Eilbestellungen zunehmen.
  • Häufigere, kleinere Bestellungen erhöhen Bestell- und Transportkosten und können Mengenrabatte kosten.

Niedriger Wert

Niedrige Lagerumschlagshäufigkeit

  • Im Verhältnis zum Verbrauch liegt viel Bestand im Lager.
  • Mögliche Ursachen sind Überbestände, Langsamdreher und Ladenhüter oder eine sinkende Nachfrage.
  • Der Bestand bindet Kapital und verursacht Lagerkosten.
  • Bei kritischen Ersatzteilen mit langer Lieferzeit kann ein niedriger Umschlag gewollt sein, weil ein Ausfall teurer wäre als der Bestand.

7. Welche Lagerumschlagshäufigkeit ist gut? Richtwerte nach Branche

Einen allgemeingültigen Zielwert gibt es nicht. Welcher Wert passt, hängt von Branche, Sortiment, Wiederbeschaffungszeiten und dem angestrebten Servicegrad ab. Ein Händler mit frischer Ware dreht sein Lager in einem anderen Takt als ein Hersteller, der Ersatzteile mit langen Lieferzeiten vorhält.

Im Netz kursieren Tabellen mit Richtwerten je Branche. Prüfen Sie bei solchen Tabellen, ob Datenbasis und Berechnungsweg genannt sind, etwa ob mit Wareneinsatz oder Umsatz gerechnet wurde. Ohne diese Angaben lassen sich die Werte kaum mit der eigenen Kennzahl vergleichen.

Aussagekräftiger ist der Vergleich mit der eigenen Historie und mit Werten je Artikelklasse, etwa nach einer ABC-XYZ-Analyse. Für den Blick nach außen eignen sich Jahresabschlüsse von Wettbewerbern oder Kennzahlen von Branchenverbänden, jeweils nach derselben Berechnungsmethode.

Sinkt die Kennzahl über mehrere vergleichbare Perioden, steigt der durchschnittliche Bestand im Verhältnis zum Verbrauch. Vergleichen Sie dabei nur gleich lange Zeiträume und berücksichtigen Sie saisonale Effekte.

8. 7 Hebel, um die Lagerumschlagshäufigkeit zu erhöhen

Die folgenden Maßnahmen zielen vor allem darauf ab, den durchschnittlichen Lagerbestand bedarfsgerecht zu senken. Bei gleichem Verbrauch steigt dadurch die Lagerumschlagshäufigkeit. Einzelne Maßnahmen wirken zugleich auf Verbrauch und Lieferfähigkeit.

Die 7 Hebel auf einen Blick

  1. Hebel 1Langsamdreher identifizierenUmschlag je Artikel prüfen
  2. Hebel 2Sicherheitsbestand je ArtikelServicegrad je Klasse festlegen
  3. Hebel 3Bestellmengen prüfenLosgrößen und Mindestmengen
  4. Hebel 4Lieferzeiten verkürzenund im ERP korrekt pflegen
  5. Hebel 5Prognosen verbessernStreuung der Fehler senken
  6. Hebel 6Überbestände abbauenund früh erkennen
  7. Hebel 7Auf Artikelebene steuernGesamtwert nur berichten

In einem vereinfachten Bestellmengenmodell mit regelmäßigem Bedarf setzt sich der durchschnittliche Lagerbestand im Wesentlichen aus Sicherheitsbestand und durchschnittlichem Zyklusbestand zusammen.

Vereinfachtes Bestellmengenmodell

ø Lagerbestand ≈ Sicherheitsbestand +Bestellmenge Q2

Periodische Bestandsüberprüfung, chargenbezogene Lieferungen oder saisonale Bevorratung weichen von diesem Modell ab. Die Hebel 2 bis 5 setzen an Sicherheits- und Zyklusbestand an, die Hebel 1 und 6 an Beständen ohne passenden Bedarf. Hebel 7 beschreibt, wie Sie diese Maßnahmen steuern.

1. Langsamdreher und Ladenhüter identifizieren

Berechnen Sie die Umschlagshäufigkeit je Artikel und sortieren Sie die Liste aufsteigend. Prüfen Sie Artikel mit niedrigem Umschlag auf Nachfrage, strategische Bedeutung, Wiederbeschaffungszeit und Lagerkosten.

Ein kritisches Ersatzteil mit langer Lieferzeit darf langsam drehen. Bei Artikeln, die nicht mehr gebraucht werden oder sich nicht rechnen, ist eine Bereinigung des Sortiments sinnvoll. Im Handel heißen solche Auswertungen Renner- und Penner-Listen.

2. Servicegrad je Artikelklasse, Sicherheitsbestand je Artikel festlegen

Sicherheitsbestand ist gebundenes Kapital und sollte deshalb begrenzt und regelmäßig überprüft werden. Ein einheitlicher Puffer für alle Artikel berücksichtigt nicht, wie stark Bedarf und Lieferzeit je Artikel schwanken.

Legen Sie Servicegradziele und Bestandsstrategien je Artikelklasse fest. Den Sicherheitsbestand berechnen Sie dann je Artikel aus dessen Nachfrage- und Lieferzeitunsicherheit, weil zwei Artikel derselben Klasse sehr unterschiedlich schwanken können. Zu knappe Puffer erhöhen das Risiko von Fehlmengen.

3. Bestellmengen und Losgrößen prüfen

Im klassischen Bestellmengenmodell geht die gesamte Bestellmenge auf einmal ein und wird danach gleichmäßig verbraucht. Dann liegt im Mittel die halbe Bestellmenge im Lager.

Große Bestellmengen senken die Zahl der Bestellungen und bringen oft bessere Preise, erhöhen aber den durchschnittlichen Bestand. Prüfen Sie, ob Mindestbestellmengen und Staffelpreise die zusätzliche Kapitalbindung rechtfertigen.

4. Wiederbeschaffungszeiten verkürzen und realistisch pflegen

Lange und schwankende Wiederbeschaffungszeiten erschweren die Bestandsplanung und können höhere Sicherheitsbestände erfordern. Kürzere und zuverlässigere Lieferzeiten, etwa durch Absprachen mit Lieferanten, können die nötige Absicherung verringern und damit den durchschnittlichen Lagerbestand senken.

Genauso wichtig sind korrekte Stammdaten. Weicht die im ERP hinterlegte Lieferzeit von der tatsächlichen ab, entstehen Fehlbestände oder unnötige Puffer.

5. Prognosegenauigkeit verbessern

Präzisere Bedarfsprognosen können die Unsicherheit über die künftige Nachfrage verringern. Sinkt dadurch die Streuung der Prognosefehler über die Wiederbeschaffungszeit, lässt sich der Sicherheitsbestand bei gleichem Servicegrad häufig senken.

Eine bessere durchschnittliche Genauigkeit allein, etwa gemessen am MAPE, reicht dafür nicht aus. Ansatzpunkte zeigt der Beitrag Prognosegenauigkeit verbessern.

6. Überbestände gezielt abbauen

Überbestände aus Fehlplanungen, Sonderkäufen oder auslaufenden Artikeln drücken die Kennzahl über Monate. Abverkauf, Umlagerung an Standorte mit Bedarf oder Rückgabe an den Lieferanten senken den Bestand.

Legen Sie zugleich fest, wie neue Überbestände früh auffallen. Strategien dazu finden Sie unter Überbestände abbauen.

7. Den Umschlag auf Artikelebene steuern

Die Gesamtkennzahl eignet sich für den Bericht an Geschäftsführung und Controlling. Steuern lässt sich der Umschlag auf Artikelebene, weil dort über Bestellmenge, Bestellzeitpunkt und Sicherheitsbestand entschieden wird. Bei mehreren tausend Artikeln kostet diese Steuerung viel Zeit.

Replenishment Decision Intelligence von pacemaker.ai berechnet Bestellvorschläge auf Artikelebene jeden Tag neu und weist über ausnahmebasierte Alerts auf die Artikel hin, die Aufmerksamkeit brauchen. Die Entscheidung über jede Bestellung bleibt bei Ihrem Team. Wie Sie Bestände systematisch optimieren, zeigt unsere Seite zur Bestandsoptimierung.

9. Fehler bei der Berechnung

Checkliste

  • Umsatz zu Verkaufspreisen im Zähler, Bestand zu Einstands- oder Herstellungskosten im Nenner.
  • Anfangs- und Endbestand als Durchschnitt, obwohl der Bestand im Jahr stark schwankt.
  • Nur die Gesamtkennzahl betrachten und Artikelklassen nicht trennen.
  • 360 und 365 Tage im Zeitvergleich mischen.
  • Alle Abgangsbuchungen aus dem ERP ungeprüft in den Zähler übernehmen, auch Umlagerungen und Bestandskorrekturen.
  • Bestände und Abgänge uneinheitlich abgrenzen. Zähler und Nenner brauchen denselben Lagerumfang und dieselbe Bewertungsgrundlage. Für die finanzielle Kennzahl zählen die bewerteten Vorräte, also auch gesperrte, reservierte und obsolete Bestände, soweit sie in der Bestandsbewertung enthalten sind.

10. Häufige Fragen zur Lagerumschlagshäufigkeit

Wie berechnet man die Lagerumschlagshäufigkeit?

Teilen Sie den bewerteten Lagerabgang einer Periode durch den durchschnittlichen Lagerbestand derselben Periode, beide auf derselben Bewertungsgrundlage. Bei Handelsware ist das der Wareneinsatz zu Einstandspreisen, bei Fertigerzeugnissen der Abgang zu Herstellungskosten. Für einzelne Artikel können Sie auch mit Stückzahlen rechnen, also mit dem Lagerabgang und dem durchschnittlichen Bestand in Stück.

Wie hoch ist eine gute Lagerumschlagshäufigkeit?

Einen allgemeingültigen Zielwert gibt es nicht, weil Branche, Sortiment, Lieferzeiten und Servicegrad den passenden Wert bestimmen. Vergleichen Sie die Kennzahl mit Ihrer eigenen Historie und getrennt nach Artikelklassen.

Wie berechnet man die durchschnittliche Lagerdauer?

Sie teilen die Tage der Periode durch die Lagerumschlagshäufigkeit, bei einem Jahr meist 360 oder 365. Bei einer Umschlagshäufigkeit von 6 beträgt die rechnerische Lagerdauer 60 Tage, mit 365 Tagen gerechnet 60,8 Tage.

Was ist der Unterschied zwischen Lagerumschlagshäufigkeit und Lagerdauer?

Die Umschlagshäufigkeit setzt den Verbrauch einer Periode ins Verhältnis zum durchschnittlichen Bestand. Die Lagerdauer rechnet dieselbe Information in Tage um. Steigt die eine Kennzahl, sinkt die andere.

Was bedeutet eine hohe oder niedrige Lagerumschlagshäufigkeit?

Ein hoher Wert bedeutet, dass im Verhältnis zum Verbrauch wenig Kapital im Lager gebunden ist. Ein niedriger Wert deutet auf Überbestände oder Langsamdreher hin, kann bei kritischen Ersatzteilen aber gewollt sein. Ist der Wert sehr hoch und treten gleichzeitig Fehlmengen auf, ist der Bestand womöglich zu knapp.

Wie kann man die Lagerumschlagshäufigkeit erhöhen?

Sie senken den durchschnittlichen Lagerbestand bei gleichem Verbrauch, etwa über passende Sicherheitsbestände, kleinere Bestellmengen, kürzere und zuverlässigere Wiederbeschaffungszeiten und präzisere Prognosen. Prüfen Sie bei jedem Hebel, wie er sich auf die Lieferfähigkeit auswirkt.

11. Bestände auf Artikelebene steuern

Sehen Sie in einer 30-Minuten-Demo, wie pacemaker.ai Bestellvorschläge je Artikel berechnet und Ausnahmen sichtbar macht.

30-Minuten-Demo buchen

12. Quellen

Hinweis zur Entstehung: Bei der Recherche und Erstellung dieses Beitrags haben wir KI-gestützte Werkzeuge eingesetzt. Die Inhalte wurden redaktionell geprüft und mit den angegebenen Quellen abgeglichen. Fehler lassen sich trotzdem nicht vollständig ausschließen. Der Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung im Einzelfall. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte übernehmen wir keine Gewähr. Eine Haftung für Schäden, die aus der Nutzung der Informationen entstehen, ist ausgeschlossen, soweit dies gesetzlich zulässig ist.

If you are interested in AI-supported supply chain solutions, book a free initial consultation: Make an appointment now!

Arrange your initial consultation now

Regardless of where you currently stand. Our team will be happy to provide you with a free initial consultation. In just under 30 minutes, we will look at your challenges and our solution together.